Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Im Rahmen einer engen interdisziplinären Vernetzung arbeitet unsere Praxis eng und zeitnah mit sehr vielen Fachrichtungen in Chemnitz und Umgebung zusammen. Aus rechtlichen Gründen dürfen die entsprechenden Einrichtungen nicht genannt werden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit verdeutlicht zum einen die Vielfältigkeit, das Ausmaß und die Heterogenität neurologischer Krankheitsbilder und zum anderen die wichtige Bedeutung, die große Herausforderung und den hohen Einfluss der Neurologie. Dieses resultiert daraus, dass einerseits nahezu alle Organsysteme mit dem Nervensystem in Verbindung stehen, anderseits Organe und ihre Funktionen Einfluss auf die Funktion des Nervensystems nehmen. Wahrscheinlich entstand hieraus die Redensart „Weiß keiner weiter, der Neurologe weiß immer weiter.“.

Hausarzt

Im Rahmen einer hausarztzentrierten Versorgung steuert der Hausarzt die Kette Ihres Heilungsprozesses, in der wir ein wichtiges Glied sind. Indem wir ihm auf dem Weg zur richtigen Diagnose und Behandlung unterstützen, helfen wir Ihnen bei einer raschen Genesung und bestenfalls der Wiederherstellung Ihrer Gesundheit.

Akupunktur

Es gibt ausreichende Hinweise, dass Akupunktur die Häufigkeit bei Migränekopfschmerz um die Hälfte reduzieren kann und damit Medikamenten zur Vorbeugung von Migräneattacken ebenbürtig ist.

Anästhesiologie

Eine Narkose kann zur Verschlechterung von Parkinson-Symptomen, einer verzögerten postoperativen Mobilisierung und der Notwendigkeit einer medikamentösen Neueinstellung führen. Die Zusammenarbeit mit dem Anästhesisten hilft, dass Ihre Operation optimal und möglichst ohne Komplikationen verläuft und ein lebensgefährliches L-DOPA-Entzugs-Syndrom nicht auftritt.

Angiologie

Ein Schlaganfall ist die häufigste Ursache einer erworbenen bleibenden schweren Behinderung. Durch Verengung der Halsschlagader auf ein Drittel erhöht sich Ihr Risiko auf einen ersten Schlaganfall im folgenden Jahrzehnt auf 20%, auf einen zweiten auf 100%. Eine Ultraschalluntersuchung beim Angiologen hilft Ihnen, Sie vor diesem Schicksal zu bewahren, insbesondere wenn der Neurologe Schlaganfallfrühsymptome bei Ihnen festgestellt hat.

Arbeitsmedizin

Anhand der BGI 585, Empfehlungen zur Beurteilung beruflicher Möglichkeiten von Epileptikern, gelingt es in Zusammenarbeit von Neurologen und Arbeitsmedizinern diesen Menschen, am Arbeitsleben teilzuhaben und trotz Epilepsie Ihren Platz in der Gesellschaft zu behaupten.

Audiologie

Plötzlicher minuten- bis stundenlanger Attackenschwindel kann eine neurologische, aber auch eine Ursache im Innenohr haben. Insbesondere wenn ein kein vollständiger Hörverlust vorliegt, kann eine Gehöruntersuchung (Audiometrie) helfen, eine Migräne vom Basilaristyp von einem Morbus Menière zu unterscheiden.

Augenarzt

„Der Patient sieht nichts, der Augenarzt sieht nichts“ meint eine Konstellation aus neu aufgetretenem, oft einseitigem Verschwommensehen und dennoch unauffälligem Augenarztbefund, wonach der Neurologe unter Umständen eine Multiple Sklerose diagnostiziert.

Bewegungsstörungen

Botulinumtoxin A wird nicht nur von Schönheitschirurgen gegen Fältchen im Gesicht angewendet, sondern ist Mittel der ersten Wahl bei neurologischen Erkrankungen mit unwillkürlichen Bewegungen wie Lidkrampf (Blepharospasmus), einseitigen Gesichtsspasmus (Hemispasmus facialis) und Schiefhals (Torticollis).

Chiropraxie

Infolge plötzlicher Bewegungseinschränkung und Schmerzen an der Lendenwirbelsäule wird nach einem Hexenschuss (Lumbago) der Neurologe kontaktiert, der nach Ausschluss von Symptomen eines Bandscheibenvorfalls durch Veranlassung von Chirotherapie Bettruhe verhindert, Schmerzmittel erspart und zur Fortführung der Alltagsaktivität verhilft.

Chirurgie

Nach Anlage einer totalen Hüftendoprothese kommt es in bis zu 7% der Fälle zur Schädigung großer Beinnerven, wovon in 4 von 5 Fällen der Ischiasnerv betroffen ist. Bei 2,4% der Operierten ist der Oberschenkelnerv geschädigt. Der Neurologe hilft in der Einordnung und Prognostik dieser seltenen Komplikation, wovon sich über 80% der Betroffenen gut erholen.

Diabetologie

Die Diabetische Neuropathie („Nervenzucker“) ist die häufigste Form einer erworbenen Schädigung des Peripheren Nervensystems und wird im Durchschnitt 8 Jahre nach Feststellung der Zuckerkrankheit diagnostiziert, wenngleich deren Symptome bereits um Jahre einem manifesten Diabetes vorausgehen gehen können.

Diagnostische Radiologie

Eine „Schaufensterkrankheit“ mit Kribbeln und Schmerzen in den Beinen nach einer gewissen Gehstrecke, welche sich im Gegensatz zu einer arteriellen Durchblutungsstörung der Beine bergan, durch Vorbeugen des Rumpfes und beim Radfahren bessern, deuten auf einen engen Lendenwirbelkanal hin. Durch eine Tomographie – ein Schichtbildverfahren in der radiologischen Diagnostik – kann die spinale Enge mit Kompression der pferdeschweifartig angeordneten Nervenwurzeln nachgewiesen werden.

Endokrinologie

Eine Geschäftsführerin eines mittelständigen Unternehmens, Ende 40, fällt durch wiederkehrende neurologische Symptome, auch Muskelzuckungen und eine Verwirrtheit mit vorübergehender Sprachstörung und Hallzinationen, vermutlich in Zusammenhang mit epileptischen Anfälle mit Bewusstseinsstörung auf. Eine Multiple Sklerose wird bei richtungweisenden Nervenwasserbefunden vermutet, zumal sich die Symptome auf hochdosiertes Prednisolon besserten. Die Schilddüsenwerte sind normal. Erst ein gesteigertes physiologisches Zittern, das krankhaft veränderte Hirnstrombild und der endokrinologische Nachweis spezifischer Schilddrüsenautoantikörper verhilft zur Diagnose einer Steroid-responsiven Enzephalopathie, einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die sich aufs Gehirn ausbreitet. Deren Behandlung mit hochdosiertem Prednisolon führt zur Beschwerdefreiheit; neurologische Symptome traten nie wieder auf.

Epilepsiezentrum

Epileptiker, die zwei und mehr Medikamente einnehmen, ohne dass sich ihre Anfälle bessern, können mitunter von einem hirnchirurgischen Eingriff profitieren, wobei die präoperative Diagnostik an einem Epilepsiezentrum durchgeführt wird. Der Weg bis zur Epilepsiechirurgie dauert in Deutschland noch immer länger als 2 Jahrzehnte, so dass die frühe und enge Zusammenarbeit mit dem Epilepsiezentrum wichtig ist.

Ergotherapie

Ergotherapie als Therapieform zur Wiederherstellung der HANDlungsfähigkeit wird neurologisch keineswegs nur bei Einschränkungen der HANDfunktionen verordnet, sondern stellt im Erlernen von Entspannungsverfahren eine wichtige Behandlungssäule der neurologischen Schmerztherapie dar, beispielsweise bei Kopfschmerzen.

Flugmedizin

Weniger als jeder 20. medizinische Zwischenfall auf einer Flugreise ist ein Krampfanfall. Auch Piloten erleiden epileptische Anfälle, welches extrem selten vorkommt. Bis auf wenige Ausnahmen verbietet eine Epilepsie die Tätigkeit als Pilot. Rein wissenschaftlich gilt aber, dass Epileptiker kein erhöhtes Risiko haben, während eines Fluges einen Krampfanfall zu erleiden.

Frauenheilkunde

Patientinnen mit regelassoziierter Migräne profitieren kaum von einer konventionellen medikamentösen Migräneprophylaxe. In Zusammenarbeit mit dem Frauenarzt können menstruationsabhängige Attacken durch die Verordnung geeigneter Pillenpräparate verhindert werden, wobei nach Absetzen mit einer Zunahme der Kopfschmerzen gerechnet werden muss.

Gastroenterologie

Gastroenterologisch immer wieder mit Fieber, Gewichtsverlust, Bauchschmerzen und Fettstühlen auffällige Bauern in mittlerem Lebensalter können bei gleichzeitig auftretenden Muskelzuckungen im Gesicht, aber auch mit einem Hirnleistungsabbau an einer Infektion des Magen-Darm-Traktes mit Tropheryma whipplei leiden und durch rechtzeitige Antibiose auch von ihren neurologischen Beschwerden befreit werden.

Geburtshilfe

Die Geburt eines Kindes bedeutet auch für gesunde Frauen ein erhöhtes Risiko, psychisch zu erkranken. Das gilt besonders für eine Wochenbettdepression und für neuropsychiatrisch vorerkrankte Frauen, die ein Rezidiv ihrer Grunderkrankung erleiden und keine emotionale Bindung zum Neugeborenen aufbauen können. Die Zusammenarbeit mit Hebamme und Frauenarzt hilft, solchen Episoden im Wochenbett vorzubeugen, sie zu erkennen und zielgerichtet zu behandeln sowie den Betroffenen mehr als anderen Müttern soziale und familiäre Unterstützung zuteil werden zu lassen.

Gefäßchirurgie

Moya Moya, japanisch für Wölkchen, heißt eine Erkrankung unbekannter Ursache, die zum schleichendem Verschluss der inneren Halsschlagader im Kopf führt und spätestens bei Auftreten durchblutungsbedingter neurologischer Ausfälle nur durch die gefäßchirurgische Anlage eines Bypasses zur äußeren Halsschlagader behandelt werden kann.

Gerontopsychiatrie

Etwa jeder dritte Patient nach Hüftchirurgie fällt durch ein Delir auf, insbesondere wenn er alt ist, wobei bis zu 2/3 der Delire gar nicht diagnostiziert werden, besonders wenn diese durch eine fehlende motorische Aktivität (hypoaktives Delir) gekennzeichnet sind. Die Kontaktaufnahme ist verringert und verzögert, es kann keine volle Aufmerksamkeit erzielt werden und die Vergegenwärtigung der Situation und Zuwendung zur Kontaktperson gelingt nicht mehr. Unbehandelt können Delire in einer Demenz und damit lebenslangen Pflegebedürftigkeit münden, weswegen eine gerontopsychiatrische Mitbehandlung vor Eintreten der Demenz und neurologischen Behandlung wesentlich ist.

Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Schwindel als gestörtes Zusammenspiel von Seh-, Gleichgewichts-, Lagesinn (Propriozeption) und deren Sinnesverarbeitung im Zentralnervensystem ist einer der häufigsten Gründe, weshalb sich Patienten in der neurologischen Ambulanz vorstellen. Indes selten findet sich hierfür eine ausschließliche neurologische Ursache. Sie sollten sich immer auch beim HNO-Arzt vorstellen, um eine viel häufigere und nicht selten alleinige Störung des Gleichgewichtsorgans auszuschließen, insbesondere dann, wenn der Schwindel attackenförmig auftritt, lagerungsprovokabel ist sowie mit einer Eigenbewegungsempfindung und Hörstörung einhergeht.

Hämatologie

Die Übertragung von Blutstammzellen gehört mittlerweile zur Routine in der Hämatologie. Stammzelltransplantationen stellen eine Hoffnung bei Patienten mit Parkinson, Veitstanz, Multipler Sklerose, Alzheimer und Querschnittslähmungen dar. Bei Parkinson- und Veitstanzpatienten gibt es durchaus Erfolg versprechende Forschungsergebnisse, jedoch ist der Einsatz von Stammzellen in der klinischen Routine bislang nicht absehbar. Dennoch bedeuten die Ergebnisse Hoffnung auf eine völlig neue Behandlungsstrategie, welche die enge Zusammenarbeit mit dem Hämatologen verlangt.

Handchirurgie

16 % unserer Patienten, ¾ davon Frauen, leiden an einem Karpaltunnelsyndrom, einer Nervenschädigung durch eine umschriebene Druckerhöhung auf den Mittelhandnerven an der anatomischen Engstelle der Handwurzel. Dieses tritt mit einer Krankheitshäufigkeit bei Männern von 88/105 und 193/105 bei Frauen gehäuft zwischen der 5. und 7. Lebensdekade auf, wobei mit fünffacher Häufigkeit gegenüber Männern 45- bis 54-jährige Frauen typischerweise betroffen sind. In etwa der Hälfte der Fälle ist ein handchirurgischer Eingriff, die offene oder endoskopische Durchtrennung des Ligamentum carpi transversum, erforderlich.

Haut- und Geschlechtskrankheiten

Neurokutane Erkrankungen manifestieren sich sowohl am Nervensystem als auch der Haut. Die bekannteste angeborene ist die Neurofibromatose Recklinghausen, die häufigste erworbene die Gürtelrose. Die Zusammenarbeit mit dem Hautarzt bringt die Diagnose und eine zielgerichtete Therapie, selbst wenn die als Phakomatosen bezeichneten angeborenen Fehlbildungen nicht heilbar sind.

Humangenetik

Bei meiner Patientin mit einer beinbetonten rumpfnahen Muskelschwäche wurde an mehren Universitätskliniken die Diagnose einer Proximalen myotonen Myopathie gestellt und bei schleichender Verschlechterung und Fehlen der für diese Erkrankung typischen EMG-Veränderungen die Vorstellung beim hiesigen Humangenetiker veranlasst, dessen Zweifel zur Diagnoseüberprüfung mit Nachweis der Glykogenspeicherkrankheit Morbus Pompe nicht nur bei ihr, sondern auch drei weiteren Verwandten führte, die nunmehr mittels Enzymersatztherapie behandelt werden können.

Infektiologie

Allgemein gilt, dass der AIDS-Erreger, das HI-Virus, zu seiner Vermehrung Wirtszellen benötigt, die den CD4-Rezeptor tragen, somit Zellen des Immunsystems. Das HI-Virus befällt aber auch CD4-negative Zellen des Nervensystems, wonach es neurotrop ist. Aus der überwiegenden Neurotropie resultiert seine Relevanz für die Neurologie: gefährliche Komplikationen und Folgeschäden finden sich am Nervensystem u.a. in Form von Demenz, Hirnnervenausfällen, Polyneuropathie, Kopf- und Nervenschmerzen, epileptischen Anfällen, Muskelentzündung und -schwäche.

Kardiologie

Junge Menschen mit einem Herzscheidewanddefekt in Form eines offenen Foramen ovale, worauf allein eine Migräne hindeuten kann, haben ein fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko. Besonders wenn noch andere Schlaganfallrisikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, Alkohol, Pille, Übergewicht, körperliche Inaktivität, Zuckerkrankheit oder spezifische Gerinnungsstörungen vorliegen, sollten Sie ambulant sowohl beim Neurologen als auch beim Kardiologen vorstellig werden, um einen Schlaganfall zu verhindern.

Kieferorthopädie

Seitliche einseitige, als atypisch klassifizierte Gesichtsschmerzen können durch eine Fehlstellung des Kiefergelenks und einen Fehlbiss hervorgerufen und Symptome einer Kraniomandibulären Dysfunktion sein. Eine kieferorthopädische Behandlung kann helfen, Biss- und Kieferstellung zu korrigieren und damit die symmetrische orthograde Belastung des Kiefergelenks wiederherzustellen.

Kinderheilkunde

Transition heißt die Konstellation, wenn Heranwachsende mit chronischen Erkrankungen eine dauerhafte Weiterbehandlung als Erwachsene benötigen. In Deutschland brauchen pro Jahr ca. 10.000 zuvor an einem Sozialpädiatrischen Zentrum betreute junge Menschen eine Weiterbehandlung beim "Erwachsenen"-Neurologen, wovon die Mehrzahl an einem frühkindlichen Hirnschaden (Zerebralparese), offenen Rücken (Spina bifida) und Epilepsie leiden. Bei den meisten Jugendlichen gelingt die Transition problemlos.

Kinder- und Jugendpsychiatrie

Die Diagnose eines Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) im Erwachsenenalter erfolgt anhand der Krankengeschichte, des psychopathologischen Befundes und standardisierter Symptomchecklisten, wenn bereits in Kindheit und Jugend die Kriterien für ein ADHS erfüllt waren. Als Zusatzdiagnostik wird die Durchführung eines Hirnstrombildes (EEG) und einer Schilddrüsendiagnostik empfohlen. Neurologisch relevant können Schlaferkrankungen wie Narkolepsie oder Tic-Störungen wie ein Tourette-Syndrom sein.

Laboratoriumsmedizin

Therapeutisches Drugmonitoring meint die Laborbestimmung von Medikamentenspiegeln im Blut. Sie dient in der Neurologie vorrangig dazu, bei Arzneimitteln mit geringer Wirkbreite die individuell optimale Dosis zu finden. Besonders gilt das für Lithium und Medikamente gegen epileptische Anfälle. Außerdem wird es bei über die Leber verstoffwechselten Medikamenten genutzt, um herauszufinden, ob eine Überdosierung vorliegt oder überhaupt ein Spiegel aufgebaut wird, wenn Nebenwirkungen bereits unter geringen Dosierungen bzw. keine Beschwerdelinderung unter hohen Dosen eintritt. Außerdem kann es bei eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion sinnvoll sein.

Mikrobiologie

Es gibt zahlreiche Hinweise, dass Mikroben, die das menschliche Gehirn befallen, unser Verhalten modifizieren. So gibt es Hinweise, dass der Erreger der Syphilis die sexuelle Aktivität bei Männern steigert, Malariaerreger uns in Geruch und Körpertemperatur attraktiver für Mücken machen und Menschen die Erreger der Toxoplasmose risikofreudiger, langsamer und unsicher und damit wehrlos und schadensanfällig machen.

Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie

Gesichtsneuralgien bezeichnen stereotype, getriggerte, heftige, elektrisierend einschießende Schmerzattacken im Versorgungsgebiet des Trigeminusnerven. Die konsiliarische mund-kiefer-gesichtschirurgische Abklärung wird empfohlen, wenn die Attacken bei jungen Menschen und beiderseitig auftreten, in Dauerschmerzen übergehen, die Ohr- und Unterkieferregion betreffen und Eingriffe an Zähnen und Kiefer vorbestehen.

Neurochirurgie

Eine neurologische Gangstörung, Demenz und Harninkontinenz sind die typische Trias eines Normaldruckhydrozephalus', welcher einer neurochirurgischen Shuntversorgung (Nervenwasserableitung mit verstellbarem Ventilöffnungsdruck) bedarf, wenn sich die Symptome rasch verschlechtern sowie die Bildgebung und diagnostische Nervenwasserpunktion mit Druckmessung bzw. ein Nervenwasserinfusionstest richtungweisend sind. Ein Normaldruckhydrozephalus, der noch immer viel zu oft übersehen wird, hat eine schlechte Prognose, wovon mir bekannte Pflegeheimpatienten zeugen.

Neuropädiatrie

In unserer Behandlung befinden sich elf Familien mit genetisch bedingter Epilepsie, wo mit den anfallskranken Eltern auch die betroffenen Kinder in die Sprechstunde kommen. Während die Behandlung der Kinder durch den Kinderarzt erfolgt, arbeitet unsere Praxis mit der Ableitung von Hirnstrombildern (EEGs) den Kinderärzten zu, sofern das Kind bereits 4 Jahre alt ist. Tatsächlich ist das Hirnstrombild das aussagekräftigste Diagnoseinstrument und beinhaltet bei den Kindern regelhaft eine Schlafableitung, Hyperventilation, Fotostimulation und bei Auffälligkeiten auch einen Lesetest.

Neurophysiologie

Störungen der Blasen-, Mastdarm- und Sexualfunktion sind ein häufiger Anlass für eine Vorstellung in der neurologischen Sprechstunde. Magnetisch evozierte Potentiale erlauben die Beurteilung der motorischen Nervenbahnen vom Kopf über das Rückenmark zu peripheren Nerven des kleinen Beckens. Mit dem Pudendus-SEP kann die sensible Reizleitung, welche für die Wahrnehmung zuständig ist, beurteilt werden. Die enge Zusammenarbeit mit den Kliniken für Neurologie realisiert diese neurophysiologische Diagnostik, die in unserer Ambulanz nicht zu leisten, jedoch unumgänglich für die objektive Beurteilung dieser Störungen ist.

Neuroradiologie

Zur Diagnosestellung einer Multiplen Sklerose gehört eine Kernspintomographie des Zentralnervensystems (ZNS), sofern nicht zwei Schübe neurologischer Ausfälle in mindestens zwei Funktionssystemen des ZNS nachzuweisen sind. Hierfür wurden neuroradiologische Kriterien von einem als MAGNIMS agierenden Akademischen Netzwerk europäischer Neuroradiologen etabliert. Für einen ersten, als klinisch isoliertes Syndrom bezeichneten Schub werden Kriterien einer Arbeitsgruppe unter Leitung von Dr. Swanton vom Neurologischen Institut am Queen Square in London genutzt.

Nuklearmedizin

Mit dem nuklearmedizinischen Verfahren der Dopamin-Transporterszintigraphie können mit einer speziellen radioaktiven Trägersubstanz (123Iod-Ioflupan) die Dopamin-freisetzenden Nervenzellen dargestellt werden. Es eignet sich, weil beim Parkinson oder einer Lewy-Körperchen-Krankheit die Dopamin-freisetzenden Nervenzellen zugrunde gehen. Im Falle einer Parkinsonerkrankung kann diese Erkrankung mit über 90%iger Sicherheit vorhergesagt oder bei normalem Ergebnis zu 97 % ausgeschlossen werden. Im Falle der Lewy-Körperchen-Krankheit gelingt die Vorhersage mit 82%iger Sicherheit und diese zu 88 % auszuschließen, wenn ein normales Ergebnis vorliegt.

Naturheilverfahren

Naturheilverfahren sind ein fester Bestandteil der modernen Neurologie, wovon Bewegungstherapie bei Parkinson, Phytotherapie (Behandlung mit Pflanzenwirkstoffen) bei Schlafstörungen, Angst und Depression, Diätetik bei Schlaganfall, Multipler Sklerose und Parkinson, Aromatherapie bei Migräne und eine Verhaltenstherapie durch ausgewogene Lebensführung im regelmäßigen Rhythmus und Einklang mit der Natur bei Epilepsie und Schlafstörungen zu nennen sind. Die Wirkung der Naturheilverfahren beruht keineswegs nur auf dem Placeboeffekt, welcher eine Aktivierung den Geist betreffender mentalistischer Prozesse aus dem bloßen Glauben und der Erwartung heraus meint, welche durch Einnahme eines Placebos geweckt werden und ausreichen, um die physiologische und chemische Aktivität des Gehirns zu modulieren, dass man sich besser fühlt und Schmerzen gelindert erscheinen.

Nephrologie

Nierenkranke haben ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen der körperfernen Nerven (Neuropathie). Bei 20 - 25 % aller Dialysepatienten tritt ein Syndrom der unruhigen Beine, Restless-legs-Syndrom genannt, auf, ohne dass sich hierdurch deren Risiko für eine Neuropathie erhöht. Neben einer symptomlindernden Behandlung mit Parkinsonmedikamenten profitieren Dialysepatienten von Eiseninfusionen und Erythropoetin.

Onkologie

Die Chemotherapie bei Hirntumoren wird regelhaft durch Onkologen durchgeführt. Bei der Behandlung hirneigner Tumoren existieren mehrere molekulare Marker, die das Überleben nach einer Chemotherapie vorhersagen können. Deren Bestimmung ist jedoch technisch anspruchsvoll und nur durch einzelne Zentren in Deutschland möglich. Noch fehlen klare Grenzwerte und ethische Vorgaben, um hieraus eine Entscheidung für oder gegen den Betroffenen abzuleiten.

Orthopädie

In den Arm ausstrahlende Schulterschmerzen kennzeichnen ein häufiges Beschwerdebild sowohl in der Orthopädie als auch Neurologie. Neurologisch können diese Schmerzen durch ein Engpasssyndrom am Schulterblatt, dem Ellbogen oder Handgelenk, eine Entzündung des Armnervengeflechts oder einen Parkinson hervorgerufen werden, wohingegen diesen als Zervikobrachialsyndrom Verschleißerscheinungen der Halswirbelsäule oder als Periarthropathia humeroscapularis ein Verschleiß von Rotatorenmanschette und der langen Bizepssehne orthopädische Krankheitsbilder zugrunde liegen können.

Palliativmedizin

Palliativmedizin bedeutet keineswegs, den Mantel (lateinisch Pallium) über den Kranken zu legen, wenn es keine Heilung gibt. Zahlreiche neurologische Krankheiten sind noch immer nicht heilbar und zwangsläufig mit dem absehbaren Tod des Betroffenen verbunden. Gemeinsam mit den Palliativmedizinern gelingt es, trotz eines deszendierenden Heilverlaufes den Leidensweg dieser Menschen durch Erbringen einer Diagnose, Maßnahmen zur Symptomkontrolle, komplementärmedizinische Behandlungen, durch sozialmedizinischen, psychologischen und theologischen Beistand wie auch die Integration in Selbsthilfegruppen und die Betreuung der Angehörigen mit Lebensqualität zu füllen sowie ihr Sterben human und erträglich zu gestalten.

Parkinsonfachklinik

Die Zusammenarbeit mit einer Parkinsonfachklinik resultiert aus der Komplexität und dem individuell unterschiedlichen Verlauf der Parkinsonerkrankung und Therapieansprechen. Sie ist zur Optimierung der medikamentösen Behandlung, Indikationsstellung und Nachsorge chirurgischer Behandlungsstrategien, Erprobung nichtmedikamentöser, nichtchirurgischer wie auch alternativer und komplementärer Behandlungen, zur Intensivierung der Defizitbehandlung und zur Anleitung von Angehörigen sowie Intervention bei Sekundärproblemen sinnvoll. Alle 16 Parkinsonpatienten mit Hirnschrittmacher in meiner Praxis profitierten nachhaltig von der Schrittmacheranlage. Bei keinem traten Komplikationen auf.

Pathologie

Beim Lernen werden aus langsamen Erregungsoszillationen in der Sehpferdchenregion - Hippocampus - durch Ereignissynchonisation im Thalamus schlussendlich in der Großhirnrinde unveränderliche Eiweiße, die man Prionen nennt. Einzelne dieser physiologischen Prionen können durch Anlagerung krankhafter Prionen derart verändert werden, dass sie in einer tödlichen Kettenreaktion immer weiter verklumpen, wonach Nervenzellen nach und nach absterben. Die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (CJD) gehört zu derartigen Hirnerkrankungen, die genetisch bedingt oder sporadisch auftretend binnen Wochen zum Tod führt, wohingegen bei der erworbenen CJD die Inkubationszeiten mit 20 bis 40 Jahren sehr lang sind. Die CJK gehört zu den meldepflichtigen Erkrankungen, die definitiv nach dem Tod durch Obduktion diagnostiziert werden. Hierbei kommt dem Pathologen eine ganz wesentliche Rolle zu.

Pneumologie

Ein Schlafapnoesyndrom ist ein bislang nicht quantifizierter Risikofaktor für einen Schlaganfall, Herzinfarkt, ein Metabolisches Syndrom, eine Demenz und frühzeitigen Tod. Bei 97 % der von mir unter Verdacht auf ein Schlafapnoesyndrom ins Schlaflabor überwiesenen Patienten bestätigte sich die Diagnose. Sofern eine apparative Behandlung in Form einer nasalen Beatmungstherapie mit Überdruck (nCPAP) erforderlich ist, ist die Nachsorge beim Lungenfacharzt - Pneumologen - erforderlich.

Physikalische Medizin

Schon die Begründer dieses Behandlungskonzepts, die Physiotherapeutin Berta und der Neurologe Karel Bobath, verkörpern die Verzahnung von physikalischer Medizin und Neurologie. Beim Bobath-Konzept wird durch Stimulation von umschriebenen Wahrnehmungsbereichen versucht, Körper- und Bewegungsschablonen wiederanzubahnen, deren Eigenaktivität durch eine Erkrankung des Zentralnervensystems aufgrund mangelnder Bewegungsfähigkeit eingeschränkt oder deren Wahrnehmungsfähigkeit gestört ist.

Plastische Chirurgie

Gesichtsnervenlähmungen oder Fazialisparesen treten überwiegend ohne erkennbare Ursache auf, sie kommen seltener nach Schädelbasisbrüchen, bei Kleinhirnbrückenwinkeltumoren, nach einer Gürtelrose im Gesicht, bei Borreliose oder nach einer akuten immunvermittelten Nervenentzündung vor. Während spontan auftretende Fazialisparesen regelhaft ausheilen, kann bei denen mit bekannter Ursache eine Erholung ausbleiben und eine plastisch-chirurgische Operation ähnlich einem Facelift oder als Augenlidplastik mit oder ohne Goldimplantat erforderlich machen.

Proktologie

Ein AIDS-Patient begann mit der spezifischen Behandlung gegen das HI-Virus verzögert. Mit dem Beginn dieser HAART entwickelte er ein Immunrekonstitutionssyndrom, ein IRIS. Das IRIS begünstigt Infektionen mit körpereignen Keimen, die bei intaktem Immunsystem nicht krank machen. Infolge der nun aufgetretenen Gürtelrose bekam er eine Entzündung des unteren Rückenmarks und der Nervenwurzeln beiderseits des Kreuzabschnitts, infolge dieser isolierte Mastdarmfunktionsstörungen verblieben. Wegen dieses Elsberg-Syndroms bleibt er neurologisch und proktologisch angebunden.

Psychiatrie

Man geht davon aus, dass alle Erkrankungen des Gehirns Veränderungen von Geist und Seele hervorrufen, wenngleich nur bei schwereren Hirnerkrankungen merkliche mentale und psychische Ausfälle bemerkt werden. So ist es nicht verwunderlich, dass Neurologen häufig mit Depressionen konfrontiert werden, wie sie nach jedem dritten Schlaganfall auftreten. Spricht die medikamentöse Behandlung mit mindestens zwei Antidepressiva unterschiedlichen Wirkspektrums und eine begleitende Psychotherapie nicht an, liegt eine therapieresistente Depression vor, die in die Hand des Psychiaters gehört.

Psychotherapie

In der Neurologie ist Angst ist ein häufiges Symptom, das auf eine Hirnerkrankung oder deren gemeinsame Ursache zurückzuführen ist oder begleitend zu einem neurologischen Leiden oder in Auseinandersetzung mit einer neurologischen Erkrankung auftreten kann. Psychotherapie als kognitive Verhaltenstherapie kann der medikamentösen Behandlung von Angst gleichwertig oder sogar überlegen sein, wohingegen es Hinweise gibt, dass die Kombination aus beiden Behandlungsstrategien der Effizienz der jeweils einzelnen überlegen ist.

Psychosomatik

4 % aller Patienten in neurologischen Ambulanzen, Kliniken der Schwerpunkt- wie auch der Maximalversorgung zeigen keine organische Ursache ihrer Beschwerden, wobei davon auszugehen ist, dass diese Patienten aus der Ambulanz in die Schwerpunkt– und von dort in die universitäre Maximalversorgung weiterverwiesen werden. Das bedeutet keineswegs, dass diese Patienten „nichts“ haben. Betrachtet man in diesem Zusammenhang unsere Organe als Teile eines Orchesters – genannt Organismus - so erscheinen alle Instrumente in Ordnung, ihr Zusammenspiel ist jedoch ohne Harmonie und verursacht beim Zuhören Schmerzen. Der Dirigent, der diesem Orchester zu Einklang und Perfektion verhelfen kann, ist der Psychosomatiker, sein Taktstock die psychosomatische Medizin.

Rehabilitationsmedizin

Freezing bezeichnet das medikamentös nicht zu beeinflussende unvorhergesehene Festkleben beim Parkinsonpatienten und meint vorrangig ein plötzliches Bewegungsverharren beim Laufen, kann jedoch andere Motorik wie das Sprechen betreffen. In der Rehabilitation erlernen Parkinsonpatienten durch Nutzung externer rhythmischer akustischer (lautes Zählen), optischer (Leuchtstreifen am Boden, Steigen über den Griff des umgedrehten Krückstocks) oder somatosensorischer Stimuli (rhythmische Impulse durch Berührung), in Freezing-Phasen wieder loszulaufen. Diese Cueing-Strategien verbessern die Standsicherheit, Schrittlänge und Geschwindigkeit beim Gehen.

Reproduktionsmedizin

Die Alzheimerkrankheit tritt als frühe Form bei Menschen mit Down-Syndrom auf. Sie wird durch eine Störung im Stoffwechsel des Amyloidvorläufereiweißes hervorgerufen, wobei sich die Gene für dieses Eiweiß auf dem Chromosom 21 befinden, das beim Down-Syndrom in jeder Zelle dreifach statt doppelt vorliegt. Mit einem Kombinationstest der werdenden Mutter aus einer Blut- und Ultraschalluntersuchung zur Nackenfaltenmessung des Föten können Reproduktionsmediziner heutzutage bereits in einer frühen Phase der Schwangerschaft vorhersagen, ob die Wahrscheinlichkeit für ein Down-Syndrom beim Kind erhöht ist.

Rheumatologie

Rheumatische Erkrankungen sind oft durch eine Entzündung der Gefäßwände charakterisiert, infolge derer isoliert die Blutgefäße von Hirn und Rückenmark, aber auch der körperfernen (peripheren) Nerven betroffen sein können. Häufiger indes ist das Nervensystem im Rahmen des Multiorganbefalls der Gefäßentzündung betroffen. Jeder 14. Patient mit Polyneuropathie und jeder 25. Schlaganfall bei jungen Menschen beruht auf einer rheumatischen Grunderkrankung. Bei der Myositis, einer rheumatologisch behandelten Entzündung der Skelettmuskulatur, kann der Neurologe mittels EMG in neun von zehn Fällen die Diagnose sichern.

Rhythmologie

Der Fachbegriff für Ohnmacht ist Synkope und eine wichtige Differentialdiagnose zum epileptischen Anfall, zumal es bei Synkopen, die länger als 15 Sekunden dauern, auch zu motorischen Entäußerungen, Urinabgang und einer nachfolgenden Reorientierungsstörung kommen kann. Herzrhythmusstörungen sind eine häufige Ursache für Synkopen, woraus sich die notwendige Zusammenarbeit mit dem Rhythmologen ableitet. Sehr wichtig ist die gute Ereignisdokumentation, die heutzutage mittels Handycam leicht gelingt, und weswegen jeder Betroffene in unserer Praxis einen Anfallsbeobachtungsbogen erhält. Den 7 Millionen an Ohnmacht leidenden Betroffenen wird übrigens ein Evolutionsvorteil nachgesagt: sie haben ein geringeres Risiko bei schweren Verletzungen zu verbluten.

Sexualmedizin

Gähnen ist ein bislang nicht endgültig geklärtes neurologisches Phänomen für ein heute subkortikal, also bewusstseinsfern vermitteltes Signal, welches ursprünglich an die Sippe gerichtet wurde, sich zum Sex zurückzuziehen.

Schmerzmedizin

Ein Postdiskektomiesyndrom, auch FBSS genannt, meint anhaltende Schmerzen, nach Bandscheibenoperation an der Lendenwirbelsäule, die durch eine Segmentinstabilität und Verwachsungen im Wirbelkanal hervorgerufen werden. Es wird durch die Trias aus Instabilität, Narbe und Veranlagung gekennzeichnet und beinhaltet chronifizierte Beschwerden mit unterschiedlich ausgeprägter Beeinträchtigung, die nicht dem Ausmaß der postoperativen Narbenbildung entsprechen. Die Schmerzen können eine Nervenwurzelschädigung imitieren, zu deren Ausschluss der Neurologe herangezogen wird. Die Behandlung eines FBSS im Sinne einer Schmerztherapie nach biopsychosozialem Modell gehört in die Hand des Facharztes für Schmerztherapie.

Somnologie

Somnologie bedeutet Schlafmedizin und meint keineswegs nur „Schnarchmedizin“. Es gibt Untersuchungen, wonach schlafbezogene Atmungsstörungen, wozu das Schnarchen gehört, zu einer Erkrankung des nicht willkürlich beeinflussbaren Nervensystems - einer autonomen Neuropathie - führen, die ihrerseits als wichtige Ursache für den plötzlichen Herztod angesehen wird. Obstruktive Schnarcher haben allerdings nicht nur ein fünffach erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt, sondern gleichermaßen für einen Schlaganfall.

Sportmedizin

Multiple-Sklerose-Patienten reduzieren unter ihrer Erkrankung ihre sportliche Aktivität um 22 %, obwohl sich Sport günstig auf die Symptome der MS auswirkt, die Mobilität der Betroffenen erhöht, ihre Alltagsbewältigung verbessert und die Lebensqualität steigert. Studien zeigen, dass es für MS-Patienten beim Sport kaum Einschränkungen gibt, solange keine Überhitzung auftritt, die zu schubähnlichen Symptomen, dem Uhthoff-Phänomen führen kann. Sportärzte helfen MS-Patienten, ihren Sport optimal auszuüben und hierin ihre optimale Leistungsfähigkeit zu finden.

Stimm- und Sprachmedizin

Die Pick Krankheit ist eine dem Alzheimer ähnliche Demenz und bei Betroffenen unter 65 Jahre ähnlich häufig wie diese. Jene Form des Morbus Pick, die mit einem Schläfenlappenschwund einhergeht, zeichnet sich obligat durch eine Sprachstörung aus, deren präzise Einordnung durch den Logopäden zur Diagnose führt, zumal anfangs begleitende andere neurologische Ausfälle regelhaft fehlen.

Strahlentherapie

Vom Ellbogen bis in die Hand ausstrahlende einseitige Schmerzen und Missempfindungen müssen nicht zwangsläufig Folge eines Nervenkompressionssyndroms sein, welches ein häufiger Grund zur Konsultation in der neurologischen Sprechstunde ist. Speziell wenn die Betroffenen männlich und Tennisspieler sind, kann ein Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis) vorliegen. Versagen konservative Behandlungsstrategien, kann eine Röntgenreizbestrahlung eine elegante und schmerzlose Alternative zur Operation sein.

Tauchmedizin

Querschnittslähmungen können bei Tauchern auftreten, die eine Dekompression unterlassen haben („Caisson-Krankheit“), wo die durch Druckentlastung entstehenden Gasblasen in fettreichem Gewebe wie dem Rückenmark zu Gasembolien führen. Dennoch ist diese Folge selten und tritt nur nach 0,05 ‰ aller weltweit jährlich durchgeführten Tauchgänge auf.

Toxikologie

Ein stets gesunder 50-jähriger stellt sich mit ausgeprägten Fühlstörungen und Missempfindungen an beiden Händen und Füßen vor, nachdem er allein über Monate hinweg ein altes Haus ausgebaut hat. In einem vorangegangenen Klinikaufenthalt wegen unspezifischer Allgemeinsymptome wie Unwohlbefinden, Kopfschmerzen, Apathie, Appetitsverlust und Schwindel wurde eine Polyneuropathie diagnostiziert und diese von mir als rein sensible Polyneuropathie mit ausgeprägter sensibler Ataxie, einer Gleichgewichtsstörung durch fehlende sensible Rückkopplung von den Hand- und Fußflächen, bestätigt. Die toxikologische Zieldiagnostik brachte die Ursache: einen mehrfach erhöhten Grenzwert für Quecksilber und folglich eine Quecksilbervergiftung.

Tropenmedizin

Etwa eine halbe Million Menschen jährlich – darunter Touristen in Schwarzafrika, aber auch hiesige Hafenarbeiter, infizieren sich mit der durch Tsetsefliegen übertragenen Schlafkrankheit, bei der Geißeltierchen über den Blutkreislauf ins Zentralnervensystem gelangen, wo sie eine chronische Infektion auslösen, welche über Monate bis Jahre zur Zerstörung des Gehirns und damit zum Koma und Tod führt, da sie bislang unheilbar ist.

Umweltmedizin

Der Einfluss der Psyche bei der Wahrnehmung von Giftwirkungen wurde in der Vergangenheit unterschätzt. Patienten in Industrienationen, die an einer Multiple Chemical Sensitivity (MCS) leiden, beklagen zahlreiche unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel sowie Gang-, Sprach-, Gedächtnis-, Konzentrations-, Hör- und Gleichgewichtsstörungen durch Chemikalien, obwohl die toxikologische Analyse der Körperflüssigkeiten Messwerte ergibt, welche weit unter denen liegen, die normalerweise diese Beschwerden auslösen. Auf der Grundlage eines Vulnerabilitäts-Stress-Modells wird vermutet, dass durch psychosoziale Stressoren neuronale Verbindungen vom Riechnerven und Zwischenhirn einen Reizzustand im hypothalamisch-limbischen System erzeugen, der diese subjektiv empfundene Überempfindlichkeit bedingt. Nach neurologischem Ausschluss organischer Ursachen für diese Beschwerden kann eine verhaltensmedizinische Behandlung helfen

Unfallchirurgie

Jährlich erleiden in Deutschland ca. 200.000 Menschen ein Schädel-Hirn-Trauma, davon über 30.000 ein schweres, welches zu einer Vielzahl neurologischer Krankheiten wie Demenz, Depression, isolierten Gedächtnisstörungen (organische Amnesie), Kopfschmerzen oder Epilepsie führen kann. Tatsächlich finden sich bei jedem 5. Betroffenem mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma epileptische Anfälle, wovon 10–15 % eine posttraumatische Epilepsie entwickeln, die einer dauerhaften neurologischen Nachsorge bedarf.

Urologie

Harnträufeln und ständiger Harndrang deuten auf eine überaktive Blase hin. Obwohl ein Großteil der Patienten klinisch zu identifizieren ist, erscheint der leitliniengerechten Ausschluss „lokaler pathologischer und metabolischer Faktoren" nicht unproblematisch, wozu eine neurologische Umfelddiagnostik gehört. Im Falle neurologischer Auffälligkeiten sind sodann weitergehende Untersuchungen erforderlich, selbst wenn mit einem – möglichst nicht hirngängigen Medikament wie Trospium – die Beschwerden rasch gelindert werden.

Zahnarzt

Episodische einseitige heftigste blitzartig-einschießende Gesichtsschmerzen, die nicht selten zum frustranen Ziehen von Zähnen und sinnlosen Eingriffen im Kieferbereich führen, ohne dass eine Besserung eintritt, deuten auf eine Trigeminusneuralgie hin, die mit 40 auf 100 000 Neuerkrankungen im Jahr eine der häufigsten Gesichtsschmerzerkrankungen insbesondere bei über 60-Jährigen ist. Eine neurologische Diagnostik muss erfolgen, um eine Schädigung am Hirnstamm auszuschließen. Bei Nachweis einer abnormen Gefäßschlinge am Kleinhirnbrückenwinkel verspricht die Schlüssellochoperation dauerhafte Linderung, insbesondere wenn Arzneimittel versagen.